ist genau genommen kein Ismus, kein Glaube, keine Religion, sondern eine Wissenschaft des Lebens. Die buddhistische Lehre (Dharma) ist der Weg der Loslösung und Befreiung. Da jeder Mensch von Geburt an fremdbestimmt konditioniert wird, besteht seine Lebensaufgabe darin, sich von allen Anhaftungen und Bindungen wieder zu befreien, die ihn daran hindern, seine wahre Natur zu erkennen. Buddhas Lehre ist - unabhängig von Kultur und Religion - für alle Menschen leicht nachvollziehbar. Buddha hat sich nicht an dogmatischen Debatten beteiligt, die zu verstärkter Polarisierung und Streit führen. Er sagte übrigens auch: "Akzeptiere nichts, was auf der Autorität eines Lehrers oder Gurus basiert, sondern akzeptiere nur eigene authentische Erkenntnisse und selbstgemachte Erfahrungen.
▸ Die vier edlen buddhistischen Wahrheiten:
1. Alles Leben ist von Leid geprägt. Das indische Pali-Wort Dukkha wird meist mit „Leiden“ übersetzt. Eine andere Deutung wäre: Das Leben ist nicht dauerhaft befriedigend – es wird oft als belastend, unvollkommen oder gefühlskalt empfunden.
2. Leid hat eine Ursache. Sie liegt in der Unwissenheit und Unbewusstheit des Menschen. Das Festhalten an vergänglichen Dingen wie Reichtum oder Macht sowie das Klammern an Ideologien, Lehren und Dogmen führen zu Leid. Auch Gier und Hass führen zu weiterem Leid.
3. Leid kann überwunden werden. Es ist möglich, inneren Frieden zu finden und frei zu werden.
4. Der Weg aus dem Leiden ist der Achtfache Pfad – eine praktische Methode, um die Ursachen des Leidens zu erkennen und zu überwinden.
▸ Der Achtfache Pfad:
1. Die Wirklichkeit klar und richtig erkennen
2. Mit Wohlwollen und frei von Anhaftung handeln
3. Ehrlich, freundlich und sinnvoll sprechen
4. Ethisch und verantwortungsvoll handeln
5. Eine Lebensweise wählen, die keinem schadet
6. Bewusst gute Geisteszustände fördern
7. Im gegenwärtigen Moment aufmerksam und präsent sein
8. Den Geist durch Meditation sammeln und vertiefen
▸ Lama Anagarika Govinda (1898–1985) wurde als Ernst Lothar Hoffmann in Waldheim, Sachsen, geboren. Govinda hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Wissen um den Buddhismus im Westen zu verbreiten. Er versuchte, die buddhistische Philosophie mit westlichen Denkweisen zu verbinden, um so einen neuen Weg für die spirituelle Entwicklung des modernen Menschen zu eröffnen. Als produktiver Autor übersetzte er zahlreiche buddhistische Texte ins Deutsche; sein Hauptwerk Grundlagen tibetischer Mystik gilt als Klassiker der buddhistischen Literatur. Govinda unternahm ausgedehnte Reisen durch Asien, wo er bei verschiedenen Lehrern studierte und tiefe Einblicke in die buddhistische Philosophie und Praxis erhielt. Er war auch ein talentierter Künstler und Gründer des Ordens „Arya Maitreya Mandala“.