Glauben & Wissen
Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Religion und Religiösität. Religionen sind organisierte Strukturen des menschlichen Egos, die eine freie individuelle Entwicklung der Menschen behindern. Kirchen sollten ein transformatorisches Bindeglied zu einer erleuchteten metaphysischen Welt für alle Menschen darstellen. Leider haben sich die Mitglieder der Kirchen zunehmend mit dem physischen Aspekt der Welt in Form von Machtstreben und materiellem Reichtum identifiziert. Fast alle Kirchen sind ‚Männerkirchen‘, in denen Frauen nur untergeordnete Aufgaben ausführen dürfen. Die patriarchalische Interpretation des ‚göttlichen‘ Wortes (Logos) diente den Gründern der Institutionen als Grundlage zur Etablierung einer religiösen Kaste, die ihre dogmatische Macht durch Kontrolle und Angsterzeugung aufrechterhält. Die über Jahrhunderte entstandenen Verkrustungen der kirchlichen Institutionen werden künftig immer weiter aufbrechen – was die massiven Kirchenaustritte von heute bezeugen. Kirchen, die nur einen dogmatischen Weg kennen, widersprechen der individuellen Natur der Spiritualität. Glaube ist oft eine Strategie der Blindheit, um sich selbst zu täuschen. Deshalb ist der Zweifel essenziell für die kritische Auseinandersetzung mit eigenen Glaubenssätzen. Allen Kirchen der Welt liegt der Irrtum zugrunde, dass sie Glauben zu Wissen erklären. Wahre Religiosität hingegen ist ein innerer, erleuchteter Seinszustand, der aus tiefen Erfahrungs- und Erkenntnisprozessen resultiert.
▸ Das Leben ist eine Transformation zur göttlichen Dimension. Doch was sagt die Kirche: Glaube einfach an Jesus Christus, lies immer wieder die Bibel, dann wirst du erlöst. Erlöst wovon? Erlöst von der Transformation!
Osho